Mittwoch, 6. Juli 2011

[Rezension] Anna Karenina



Titel: Anna Karenina
Originaltitel: Анна Каренина
Autor: Leo Tolstoi (Lew Nikolajewitsch Graf Tolstoi)

Sprache: gelesen auf Deutsch
Genre: Klassiker, Drama, Liebe
Reihe: /
Seiten: 1227 (mit Anhang: 1284)
Film: Einige
Webseite: Wikipedia Seite

Bewertung: 4 Herzen






Inhalt (gekürzt von Amazon):

Die Chronik dreier Familien bildet den Handlungsrahmen des Romans, in dessen Mittelpunkt die tragische Liebesbeziehung der Titelheldin Anna Karenina steht. Annas Bruder Stepan (Stiwa) Oblonski, charmant und äußerst sinnenfroh, gibt sich in seiner kinderreichen Ehe mit Darja (Dolly) wiederholt Liebesaffären hin, kehrt jedoch stets reumütig zu seiner leidgeprüften Frau zurück.

Sein Freund Konstantin Lewin, der sich von der Künstlichkeit des städtischen Lebens auf sein Landgut zurückgezogen hat, liebt Dollys jüngere Schwester Katerina (Kitty). Während eines Besuchs in Moskau muss Lewin erfahren, dass er in seinem Werben um Kitty einen Rivalen hat – den jungen Petersburger Offizier Graf Wronski, dessen Mittelmäßigkeit zunächst hinter seinem glanzvollen und weltgewandten Auftreten verborgen bleibt.

Beeinflusst durch ihre Mutter, die für die naturverbundene Lebensweise Lewins kein Verständnis aufbringt, entscheidet sich die geblendete Kitty trotz ihrer Zuneigung zu Lewin für Wronski. Wenig später kommt es zu einer ersten Begegnung zwischen Wronski und Kittys Tante Anna, die sich augenblicklich zu ihm hingezogen fühlt. Fasziniert von ihrer Schönheit und ihrem warmherzigen Wesen beginnt Wronski, ihr den Hof zu machen.

Anna kehrt überstürzt nach Petersburg zurück, wo sie in dem alltäglichen Leben an der Seite ihres Mannes Alexej zur Ruhe zu kommen hofft. Wronski, der weiterhin in ihren Kreisen verkehrt, erkennt jedoch, dass sie in ihrer Ehe unglücklich ist und unter der Gefühlskälte ihres vornehm-distanzierten Mannes leidet. So entwickelt sich zwischen Anna und Wronski eine leidenschaftliche Liebesbeziehung, die Anna weder vor ihrem Mann noch vor der Gesellschaft zu verheimlichen sucht. [...]


Meine Meinung:

Dieses Buch zu lesen ist eine Aufgabe. Keinesfalls ist eine Lektüre für zwischendurch. Der Roman nimmt einen mit in die Welt der russischen Gesellschaft im 19ten Jahrhundert. Doch ist es auch nicht langweilig, die Geschichte fesselt und treibt den Leser voran.

Es fällt mir nicht leicht, meine Meinung zusammenzufassen oder überhaupt auszudrücken. "Anna Karenina" ist sehr vielschichtig, dadurch, dass viele Themen angesprochen werden (Ehebruch, Liebe, Gesellschaft, Politik, Lebensformen, der Glaube). Laut Titel müsste die Person Anna Karenina und ihre Beziehung im Mittelpunkt stehen, aber das Gefühl hatte ich nicht. Tolstoi konzentriert sich vielmehr auf Kitty und Lewin.

Kitty begeht den Fehler, Lewin abzuweisen, weil sie Hoffnung auf den stahlenden Wronski hat. Doch er verliebt sich Hals über Kopf in Anna Karenina. Dieses ganze Hin und Her ist fabelhaft dargestellt, die Gefühle der einzelnen Personen lassen sich (meist) gut nachvollziehen. Lewin hängt mir dabei besonders am Herz, für ihn ist das Mitgefühl am stärksten. Auch Kitty wächst einem mit der Zeit ans Herz, ihre Entwicklung in dem Roman ist meiner Meinung nach am größten.

Hingegen bei Anna Karenina war es ein ständiges Schwanken. Mag ich sie oder mag ich sie nicht? An den meisten ihrer Probleme war sie selbst schuld. Sie steigert sich in die Angst um ihr Kind hinein und dann reist sie für ein paar Monate in eine andere Stadt. Oft war ihr Verhalten verwirrend und überhaupt nicht nachvollziehbar.

Die Namensgebung im Russischen ist auf den ersten Blick sehr verwirrend. Die Menschen tragen einen Vor-, Nach- und Familiennamen. Dazu noch einen Spitznamen und ggf. den gesellschaftlichen Titel. Da Tolstoi die Figuren aber so geschickt nacheinander in die Geschichte eingeführt hat man keine Probleme damit, sich die Namen zu den Personen zu merken. Auch wenn eine Person mal Lewin, Kostja oder Konstantin Dmitrijewitsch heißt.

Der Erzähl- und Schreibstil von Tolstoi ist manchmal sehr detailliert, aber auch sehr leicht zu lesen. Der Lesefluss ist gut, man muss keine Abschnitte doppelt lesen, um sie zu verstehen. Also keine Angst vor Tolstoi. Manche Passagen (vorallem wenn es um politische Dinge geht) sind zäher als andere, aber zum Glück sind diese nur sehr selten im Roman.


Fazit:

Insgesamt bin ich wirklich positiv überrascht. Ich hatte ganz andere Erwartungen an "Anna Karenina", mir hat das Buch sehr gut gefallen und ich kann es durchaus weiterempfehlen. Natürlich ist auch die Seitenzahl nicht zu vergessen. Über 1000 Seiten wollen gelesen werden, das fordert schon ein gewisses Durchhaltevermögen.

Ich gebe dem Buch 4 Herzen, die meisten davon schlagen nach wie vor für Lewin und Kitty :-)

Kommentare:

  1. Ah! :)
    Es ist immer so schön, ein bisschen Russen- und Tolstoi-Liebe zu sehen! :D

    Eine sehr schöne Rezension! Die macht definitiv Lust, das Buch doch endlich zu lesen.
    Wobei ich jetzt doch noch eine Frage hätte: Wie deprimierend ist das Ende denn? (In der Hoffnung, dass die Antwort kein zu großer Spoiler ist *g*)

    Irgendwie hab ich nämlich die große Vorstellung, dass AK so ein furchtbar, furchtbar deprimierendes Werk ist und wag mich deshalb nicht recht ran, obwohl ich Tolstoi furchtbar liebe (also, nach den beinahe zwei Büchern und den paar Kurzgeschichten, die ich kenne ;)). Liegt, glaub ich, viel an meinen Erfahrungen mit Dostojewskis "Der Idiot", auch wenn man die Autoren absolut nicht vergleichen kann. Aber ich hab seit dem irgendwie Bange vor emotional schwerwiegenden Russen. xD

    Auf jeden Fall: Danke für die Rezension, denn ich bewege die Frage, ob ich nun soll und wie und wann und warum, jetzt schon eine ganze Weile in meinem Herzen. Und ich denke, es wird langsam wirklich Zeit, das Ding endlich anzugehen. ;)

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  2. Ja, lies das Buch! :)

    Das Ende ist überhaupt nicht deprimierend. Eine Sache passiert am Ende, aber das kam mir nicht sonderlich dramatisch vor, eher erleichternd. Ehrlich gesagt war ich vom Ende sogar begeistert *gg* Alles ist gut... irgendwie. Schwierig, was über das Ende zu sagen, ohne was zu verraten ^^

    Der ganze Roman ist keine schwere Kost. Lang, aber nicht erdrückend.

    Bin gespannt, wie du AK findest! :)

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  3. Danke dir! :)
    Wenn sich die Depressionen in Grenzen halten, bin ich dabei (wobei ich, wie ich festgestellt habe, mit Depressionen kein so großes Problem habe, wie mit allgemeiner Hysterie *g*).

    Dann kommt das Buch jetzt auf jeden Fall auf meine unmittelbare Liste. Vorher muss ich aber noch K&F fertig machen und dann "Heartless". Dringend. *gg*

    Aber dann! Aber dann!
    Und ich werde natürlich berichten.
    Freu mich jetzt schon drauf. :)

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  4. Hast du Heartless schon? Muss ich mir unbedingt driiiingend bestellen! :D

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  5. Das Buch ist definitiv eines der langweiligsten, die ich je angefangen habe zu lesen. Ich hab noch nie bei irgendeinem Buch so ein Gefuehl gehabt.

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  6. Das ist ja schade! Ich hatte ab und zu auch meine Tiefpunkt, aber an sich fand ich es doch gut :)

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