Dienstag, 23. August 2011

[Rezension] Mond über Odessa




Titel: Mond über Odessa
Originaltitel: Moonlight in Odessa
Autor

Sprache: auf Deutsch gelesen
Genre: Liebe, Unterhaltung
Seiten: 445
Reihe: /
Film: /

Webseite: Autorenseite

Bewertung: 5 Herzen




 Inhalt:

Darja ist eine junge Ukrainerin, die in der Hafenstadt Odessa lebt. Aber nicht nur für die Lage am schwarzen Meer und die Oper ist Odessa bekannt - nein, auch für die Onlinebräute.Zunächst findet die studiert Darja eine Anstellung bei Mr. Harmon in einer Reederei. Sie ist fleißig, beliebt und fühlt sich in ihrem Job wohl, gäbe es nicht das eine Manko: Sie soll mit ihrem Chef schlafen. Das will sie nicht und holt deshalb ihre Nachbarin Olga mit in Boot. Doch die sticht Darja komplett aus und übernimmt auch noch ihren Job. Darja bleibt nichts anderes übrig, als mit in das Geschäft der Onlinebräute einzusteigen. Und bald steht die vor der Wahl: Ein Leben in Odessa oder in den USA?


 Meine Meinung:

Dieses Buch hat mich positiv überrascht. Eigentlich war es ein Cover-Kauf im Buchclub. Der Klappentext hörte sich recht nett an und schon hatte ich es gekauft. Zum Glück! Das Buch ist ein Lese-Highlight und ein absoluter Geheimtipp.

Es handelt sich um das Debüt der amerikanischen Autorin, die selbst einige Jahre in Odessa verbracht hat. Man spürt ihre Liebe zu der Stadt. Der Roman ist aus der Ich-Perspektive der jungen Darja geschrieben, die ihre Stadt für die beste der Welt hält. Vielleicht ist sie das auch. Aber sie hat auch ihre Schattenseiten, die die Autorin bzw. auch Darja nicht verschweigt.

Davon abgesehen, dass der Strom regelmäßig abgeschaltet wird und die Mafia Schutzgeld von den Bewohnern kassiert, lebt die Stadt von dem Onlinehandel mit Frauen aus Odessa. Diese sind die schönsten der Welt und dutzende Internetseiten machen damit ihr Geschäft. Als ich das während des Lesens gegoogelt habe, bin ich tatsächlich auf einige Internetseiten gestoßen, die Frauen wie Bücher in einem Shop anbieten. Zum Beispiel diese hier, diese oder auch diese.

Es ist unglaublich, dass es das heutzutage tatsächlich noch gibt. Amerikaner kommen in Scharen nach Odessa gereist und suchen sich die tüchtigsten und schönsten Hausfrauen aus. Unfassbar. Aber laut Darja ist es für die jungen Frauen von Odessa das beste, was ihnen passieren kann: Einen reichen Mann finden, der sie raus aus Odessa bringt. Denn nicht alle haben ihre Herzen an Odessa verschenkt.

Nun aber zurück zur Story: Der Einsteig in den Roman war für mich etwas schwierig, ich brauchte meine Zeit, um mich mit Darja und den Umständen in Odessa anzufreunden. Vielleicht war es aber auch deshalb, weil die Geschichte damit begann, dass Darjas neuer Chef sie ins Bett bekommen will. Es ist so platt und so klischeehaft. Aber wohl auch die Wahrheit: Die Hemmungen, über ihren Körper zu benutzen, um das zu bekommen, was sie wollen, ist in diesem Land wohl etwas niedriger (soweit ich das auch dem Roman erkenne - ich möchte das nicht verallgemeinern).

Aber als Darja in vielen Situation ihre scharfe Zunge und ihre gewitzten Techniken zeigt, sich aus der Sache herauszumanövrieren, wurde es interessant. Die Autorin hat tolle Ideen. Auch Darjas Verehrer, in Form von einem Mafiaboss, brachte Pepp in die Geschichte. Wlad. Ein überaus attraktiver - und gefährlicher Mann - der ein Auge auf die junge Schönheit geworfen hat.

Aber wie auch immer. Man lernt in dem Buch viel über eine andere Kultur, ohne das es langweilig wird. Der Schreibstil ist sehr flüssig, es gibt viele lustige Dialoge, die aber auch die ernsten Seiten des Lebens in Odessa zeigen. Darjas Leben ist eine Spiegelbild vieler Frauen in Odessa. Ich glaube, dass die Autorin das wahre Odessa gezeigt hat: Es gibt tolle Seiten, aber eine Perspektive gibt es für die jungen Frauen nicht.

Allerdings wird der Online-Bräute-Handel keinesfalls beschönigt. Die ungeschminkte Wahrheit wird  erzählt. Eine Online-Ehe kann nicht laufen, der Mann kann aggressiv werden, sie als "Sklavin" ausnutzen oder auch ein Kontrollfreak sein. Darja erlebt es am eigenen Leib. Ihr Seelenleben wird schön beschrieben, man leidet mit, liebt man, weint mit. Die Geschichte hat ihre stillen Momente, die nachdenklich machen und einen die Augen öffnen, für diese verborgene Welt am schwarzen Meer.

Das Ende ist fast nach meinem Geschmack. Ein, zwei Sätze mehr hätten dem Roman nicht geschadet. Aber ich bin sehr zufrieden. Ein gut abgerundeter Roman, der von Anfang bis Ende gut funktioniert und von viel mehr Menschen gelesen werden sollte.

Übrigens, ich habe bereits über die Cover geschrieben und nachdem ich das Buch beendet habe, muss ich meine Meinung ändern. Am besten passen die Cover mit der Schneekugel (das Originalcover und ein Cover vom Bertelsmann Verlag). Denn auch in der Geschichte taucht die Schneekugel auf, sie auf das Cover zu bringen, ist eine tolle Idee.



 Fazit:

"Mond über Odessa" ist ein gelungenes Romandebüt. Es ist der richtige Mix aus Unterhaltung, Liebe, wahren Leben und fremden Kulturen. Die Welt der Online-Bräute wird einem nahe gebracht und auch die Zerrissenheit zwischen Tradition, Heimat und der Aussicht auf eine besseres Leben in einem fernen - fremden - Land.

Kommentare:

  1. Ich kann mich an diese Zeiten schlecht erinnern, das war vor 16-18 Jahren so in Odessa. Jetzt ist Odessa wirklich eine tolle Stadt, die blüht.

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  2. Kommst du aus Odessa? Ist ja interessant zu hören, dass es das überhaupt nicht mehr aktuell ist.
    Wobei in dem Buch Odessa nicht schlecht dargestellt wird. Darja liebt Odessa :)

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